Reutberg Zukunft statt Klostersterben

02.10.2013

Reutberg: Auf den ersten Blick, vor allem von München her kommend, ist es ein malerischer Ort vor alpiner Kulisse. Auf einem kleinen Hügel ragt da ein stattliches Klostergebäude in den weiß-blauen Himmel. Kein Mensch würde ahnen: Was sich hier abspielt, in diesem kleinen Idyll, das sind gleich mehrere spannende Geschichten.

Kloster Reutberg im Winter (Bild: Sankt Michaelsbund)

Reutberg - Der Weg in diese Geschichte führt über die breitgetretene Schwelle hinein in die Klosterkirche. Seit vierhundert Jahren kommen Pilger hierher. Wer heute dieses „lebendige Denkmal“ betritt, glaubt zuerst an eine optische Täuschung: Von Außen betrachtet erscheint der Bau groß und stattlich unter seinem barocken Zwiebelturm. Innen dagegen bietet sich ein ganz anderes Bild. Fast eng wirkt das schmucke Gewölbe, halb verdeckt von der Empore der Klosterschwestern; davor liegt ein tiefer Kapellenraum.

Seit der Weihe der ersten Kapelle im Jahr 1606 ist Reutberg dem Loreto-Haus nachempfunden, und dieses Thema bestimmt den Raum und seine Einrichtung. Wer gerne seinen Rosenkranz mit einer lauretanischen Litanei beschließt, könnte hier eigentlich mit den Augen beten. Kann er aber nicht: Schmutzschichten und stellenweiser Verfall sorgen für eine düstere Atmosphäre, auch wenn vom Hochaltar und den Fenstern Lichter strahlen.

Die Situation ist noch viel schlimmer, als dieser erste Eindruck vermitteln kann. Dass heute überhaupt Menschen die Klosterkirche betreten können, ist der Erzdiözese zu verdanken. Bei einer Begehung im Jahr 2012 schlug dessen Bauressort Alarm und schloss sofort die Empore, deren tragende Balken morsch geworden waren. Der Kirchturm, von dem sich große Putzbrocken lösten, bekam ein schützendes Gerüst. Dann wurde das ganze Gebäude wissenschaftlich und architektonisch, restauratorisch und klimatisch auf Herz und Nieren geprüft.

Die Diagnose, die der Leiter des Bauressorts, Hans-Jürgen Dennemarck, gemeinsam mit dem verantwortlichen Architekten Hermann Thurner aus Bad Tölz nun vor Ort der Öffentlichkeit vorgestellt hat, liest sich wie eine Litanei des Verfalls. Reutberg steht vor einer jahrelangen Sanierung. Im Frühjahr 2014 wird das Bauressort des Ordinariates dazu ein Konzept vorlegen.

Wie es dann weiter geht, ist eine finanzielle Frage. Diözesanbaumeister Dennemarck rechnet mit einem „einstelligen Millionenbetrag“ und beteuert gleichzeitig: In Reutberg wird kein Präzedenzfall geschaffen. Auch das finanziell muskulöse Erzbistum kann und will nicht alle baufälligen Klosterkirchen in Oberbayern aus eigener Kraft sanieren und erhalten. Auch die wenigen verbliebenen alten Klosterschwestern, um deren Kirche es hier geht, können eine Finanzierung sicherlich nicht alleine stemmen.

Aber Reutberg hat einen Vorteil: Einen starken Kreis von Unterstützern. Die Freunde des Klosters haben einen Verein geschaffen, und sie machen sich für dieses Kleinod stark. Wie schon 1924 eine Genossenschaft die Brauerei übernommen hat, könnte der Freundeskreis in ähnlicher Weise helfen, die Verantwortung für diesen malerischen Wallfahrtsort und seine Kirche zu teilen - bürgerliches Engagement gemeinsam mit Kirche und Staat. (acw/ksc)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Klöster und Orden

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