Nachruf Zum Tod unseres Kollegen Georg Walser

07.01.2020

Georg Walser war Online-Pionier beim Sankt Michaelsbund. Am Sonntag ist er im Alter von nur 50 Jahren verstorben.

Ein Schwarz-Weiß-Bild von Georg Walser
Georg Walser © privat

Kurz bevor sich seine Augen für immer schlossen, hat er noch einmal durch ein Kaleidoskop geblickt, das er in seinem Krankenzimmer hatte. Georg hatte eine kindliche Freude daran, wenn er es drehte und die zerbrochenen Glasstücke über die im Dreieck angeordneten Spiegel ein neues Muster bildeten. Oft richtete er das Kaleidoskop langsam gegen die hellste Lichtquelle und war begeistert, wenn das runde Bild dann wie die Rosette einer gotischen Kathedrale leuchtete. Für ihn war es wie ein kleiner Gottesbeweis: Das Licht verwandelt die ungeschliffenen und wie zufällig dahin geworfenen bunten Glasstücke in ein harmonisches Bild, es wird sichtbar durch die Reflexion der Spiegel, so wie sich Gottes Licht dem Menschen erschließt, wenn er es mit dem Herzen und dem Verstand reflektiert.

Das hat Georg als Theologe und Christ immer wieder getan. Zu seinen Leidenschaften gehörte es, spät in der Nacht mit seinem Fernrohr in den Himmel zu schauen, möglichst weit abseits menschengemachter Lichtquellen, die das Strahlen aus dem Kosmos stören, und in die Sterne zu schauen. Wenn er die Himmelskörper erklärt hatte, wurde er oft still und ruhte ganz in sich. Georg hatte aber nicht nur einen Blick für die unendlichen Weiten des Alls hoch über ihm. Er sah sehr genau, was sich vor ihm auf dem Boden abspielte und hat die Aufgaben, die sich ihm da stellten tatkräftig angepackt.

Erster Onlineredakteur des Sankt Michaelsbundes

Nach seinem Theologiestudium in Regensburg, Eichstätt und in Bonn, hat Georg rund ein Vierteljahrhundert lang für den Sankt Michaelsbund gearbeitet. Zuerst ab Oktober 1996 als Volontär für die Münchner Kirchenzeitung, danach als erster Onlineredakteur im Haus. Damit war auch der Aufbau der Internetarbeit im Erzbistum München und Freising verbunden, die Georg wesentlich mitgestaltet hat. Beharrlich hat er mit seinen Kollegen Daten-Schnittstellen geschaffen, die internen wie externen Redaktionen heute unentbehrlich sind und auf den Internetseiten des Sankt Michaelsbundes und der Erzdiözese für inhaltliche Vielfalt gesorgt. Ebenso hat er die Online-Schulungen hunderter Pfarrsekretärinnen begleitet. Dabei war er zugleich ein pfiffiger Ideengeber für die Radio- und Fernseharbeit im Haus.

Ein Mensch, der in Bewegung sein musste

Es war Georg, der uns vor vielen Jahren darauf gebracht hat, Bayerns „schwungvollsten Pfarrer“ zu suchen, die Kandidaten dafür in die Überschlagschaukel auf dem Oktoberfest zu stellen und sich in den Himmel schwingen zu lassen. Ein großer Erfolg, der unserem Haus viel Beachtung und Anerkennung eingetragen hat! Bis heute sprechen uns Gläubige oder Priester immer wieder darauf an. Georg selbst konnte dabei als Coach glänzen, denn er beherrschte den Überschlag mit der Schiffschaukel perfekt. Er war überhaupt ein Mensch, der in Bewegung sein musste. Georg war lange Zeit Straßenrennfahrer gewesen und überraschte uns einmal damit, dass er zu einem winterlichen Redaktionswochenende im Bayerischen Wald von München aus mit dem Rennrad anreiste. Oft hat er uns erklärt, dass dieser Sport, entgegen der landläufigen Laienmeinung, Teamarbeit ist, in der die Fahrer genau aufeinander achten müssen.

Mit Zuversicht und großer Tapferkeit

Diese Kunst auf den anderen zu schauen, zu ermutigen und sich um ihn zu kümmern, wenn das alltägliche Strampeln schwerfällt, hat Georg beherrscht, auch wenn er unbeirrbar das zu erreichende Ziel im Auge behielt. Wer technische und redaktionelle Hilfe brauchte, hat sie von Georg immer erhalten und auch vielen anderen Kummer hat er sich geduldig und freundlich angehört. War ein Kollege länger krank, dann konnte er sicher sein, Georg meldet sich. Er selbst hat seine Krebserkrankung mit nie endender Zuversicht und großer Tapferkeit getragen. Georg lebte in der Gewissheit, dass es ein Licht gibt, das die Schmerzen verwandeln wird, durch die Bruchstücke eines Lebens hindurchdringt, es vollendet und ein Bild daraus formt.

Fritz Gerlich war für ihn ein Vorbild

Deshalb hat er sich auch für die Seligsprechung eines Journalisten eingesetzt und dafür bedeutende Vorarbeit geleistet, der ihm ein großes Vorbild war: für Fritz Gerlich. Wir haben manchmal mit den Augen gerollt, wenn er uns schon wieder auf einen Vortrag, eine Gedenkveranstaltung oder eine neue Publikation zu diesem komplizierten Mann aufmerksam machte, der Konvertit und weiß Gott kein Tugendbold war, aber aus einem tiefen Glauben heraus den Nationalsozialismus publizistisch schärfstens bekämpfte und dafür mit dem Leben bezahlte. Georg wollte dieses Glaubenszeugnis seitens der Kirche gewürdigt sehen und uns deutlich machen, mit welcher Verantwortung der Beruf eines katholischen Journalisten verbunden sein kann. Georg hatte den großen Wunsch, dass er den Abschluss des Seligsprechungsprozesses noch erleben darf. Der Tod ist ihm jetzt zuvorgekommen und hat unseren Kollegen nur 50 Jahre alt werden lassen.

Es tut uns sehr weh, dass er am 5. Januar gestorben ist und nicht mehr zurückkehren wird, was wir so lange gehofft haben. Genauso wie seine Frau Christina, seine acht Geschwister und seine vielen Freunde, mit denen die Kollegen aus dem Sankt Michaelsbund in tiefer Trauer verbunden sind.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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