Fastenzeit Zur Besinnung kommen

10.03.2017

Fasten um des Fastens willen ist nicht Sinn der Sache. Und einen Wettbewerb daraus zu machen, hat mit der ursprünglichen Idee auch nichts zu tun. Aber worum geht es in diesen 40 Tagen vor Ostern?

Verzichten ist eine gute Übung, um das Wesentliche deutlicher zu sehen. © Fotolia

Irgendwann – es lässt sich nicht mehr sagen, wann genau – hat es begonnen: das kreative Fasten. Irgendwann war der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel wohl einfach nicht mehr ausreichend, nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr hip genug. Plötzlich gab es das Auto-Fasten, das Fernseh-Fasten, später gesellte sich das Plastik-Fasten dazu und mittlerweile sind wir beim WhatsApp-Fasten angelangt. Aber damit nicht genug: Weil Fasten an sich vermutlich nicht gerade sexy klingt, ist mancherorts nun von der „40-Tage-Challenge“, also einer vierzigtägigen Herausforderung die Rede. Man darf gespannt sein, wann es ein Fernseh-Format mit dem Titel „Germanys next Fasting-Hero“ geben wird. Vielleicht wäre allerdings in diesem Bereich ein Kreativ-Fasten angesagt, um den Blick dafür freizubekommen, worum es denn in dieser Zeit wirklich gehen sollte.

Natürlich spielt der Verzicht eine wesentliche Rolle. Allerdings sollte der weder zum reinen Selbstzweck verkommen, noch als Wettbewerbsvehikel missbraucht werden nach dem Motto „Wer ist der tollste, krasseste, ausdauerndste Verzichter?“ Vielmehr geht es bei den 40 Tagen, die der Vorbereitung auf Ostern dienen, darum, einen Einschnitt, eine Zäsur oder neudeutsch ausgedrückt einen „Break“ zu machen. Mal eben anhalten sozusagen, um nicht Tag für Tag durch den Alltag zu stolpern, ohne Pause und ohne das, was man Leben nennt, auch einmal zu überdenken.

Gewohnheiten auf dem Prüfstand

Am Aschermittwoch sollte also bestenfalls ein Startschuss fallen für eine Zeitspanne, in der Gewohnheiten auf den Prüfstand kommen. Und da nunmal das Essen eine der augenfälligsten Gewohnheiten ist, bietet es sich an, genau da den Hebel anzusetzen und zu schauen, was passiert, wenn der Gang zur Schublade mit den Süßigkeiten nicht mehr stattfindet, wenn das tägliche Stück Fleisch zum Abendessen fehlt und was passiert, wenn das abendliche Glas Rotwein nicht wie von Zauberhand auf dem Couchtisch abgestellt wurde. Dabei ist das Ergebnis offen. Wichtig ist auch nicht, dass aus dem Fleischesser ein Vegetarier und aus dem Bierliebhaber ein Abstineter wird. Wichtig ist das Erlangen eines geschärften Blickes auf das, was uns vermeintlich selbstverständlich scheint. Verbunden vielleicht mit der Frage nach denen, die diese Privilegien nie genießen können aus welchen Gründen auch immer.

So betrachtet ist Fasten nicht in erster Linie eine selbstbezogene Handlung, sondern ein Unternehmen, das eben nicht das Ego in den Vordergrund rückt, sondern den anderen Menschen. Auf welche Weise man diesen Zustand erreicht, spielt dabei keine große Rolle. Wenn einer zur „Besinnung“ kommt, indem er den Fernseher mal eine Zeitlang links liegen lässt oder ein anderer sich besser auf das Wesentliche konzentrieren kann, indem er die Finger von schokoladigen Verführungen lässt, das bleibt jedem selbst überlassen. (Susanne Holzapfel)


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