Rupert Graf zu Stolberg Zuspruch und Ermutigung vor Bischofsweihe

06.12.2016

Vor der Bischofsweihe spricht der ernannte Münchner Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg im Interview über seinen Respekt vor dem Amt. Und er erklärt seinen bischöflichen Wappenspruch.

Am Samstag, 10. Dezember, wird Rupert Graf zu Stolberg in München zum Bischof geweiht. © SMB/Schmid

MK: Wie und von wem haben Sie von der Bischofsweihe erfahren?

STOLBERG: Ich wurde am 24. Oktober vom Sekretär von Kardinal Marx angerufen: Er bat mich, für eine kurze Besprechung ins Erzbischöfliche Palais zu kommen, um was es ging, hat er nicht verraten. Als ich dort ankam, eröffnete mir Kardinal Marx, dass Papst Franziskus mich zum Weihbischof ernannt habe.

MK: Wie war Ihre erste Reaktion?

STOLBERG: Ich empfand großen Respekt, zugleich eine gewisse Gelassenheit. Auf der einen Seite werde ich als Weihbischof größtenteils dieselben Aufgaben haben wie bisher, das macht mich einerseits gelassen. Auf der anderen Seite merke ich jetzt schon, dass ich als Weihbischof ganz anders in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Auch nach meiner eigenen religiösen Überzeugung stehe ich nun noch einmal anders in der Pflicht, mit meinem Dienst für die Menschen, für die Kirche da zu sein. Insofern habe ich auch großen Respekt vor dieser Aufgabe.

MK: Und wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld?

STOLBERG: Eigentlich durchwegs positiv. Ich persönlich habe sehr viel Zuspruch und Ermutigung bekommen, wofür ich sehr dankbar bin. Viele Menschen sagen mir, dass sie für mich beten und dafür, dass ich die Aufgabe gut bewältige. Das trägt mich und gibt mir Kraft.

Treue zu Christus

MK: Wie wird die Weihe ablaufen?

STOLBERG: Sie wird innerhalb einer Eucharistiefeier stattfinden, nach der Predigt unseres Erzbischofs. Eine Weihe erfolgt immer durch Handauflegung und Gebet, das findet man an mehreren Stellen schon in der Apostelgeschichte und so geschieht es die ganze Kirchengeschichte hindurch bis heute. Der Kardinal wird mir die Hände auflegen und das Weihegebet sprechen und alle anwesenden Bischöfe werden mir nacheinander ebenfalls die Hände auflegen und den zentralen Teil des Weihegebets beten. Danach werden die bischöflichen Insignien überreicht.
Diese Zeichen sollen noch einmal deutlich machen, um was es in der Weihe geht: Der Bischofsring verdeutlicht die Treue zu Christus, ähnlich wie der Ehering ein Zeichen der Treue der beiden Ehepartner ist. Die Mitra wird mit den Worten überreicht „Der Glanz der Heiligkeit sei dein Schmuck“. Dies soll daran erinnern, dass der Geweihte – wie jeder andere Mensch auch – nach einem Leben streben soll, dass der Heiligung wert ist. Und der Hirtenstab ist das Zeichen der Hirtensorge für die rund 700.000 Menschen, für die ich in der Seelsorgsregion München zuständig bin.

Als Weihbischof ist Stolberg - wie bisher als Bischofsvikar - in der Seelsorgsregion München tätig, hier auf dem Marienplatz der bayerischen Landeshauptstadt. © Kiderle

"Termine werden dazukommen"

MK: Welche Veränderungen für Ihre Arbeit bringt die Weihe mit sich?

STOLBERG: Ich bin dann Mitglied der Deutschen und der Freisinger Bischofskonferenz, übernehme also auf der Bundes- und der Bayerischen Ebene Verantwortung. Auch in der Erzdiözese wird wohl noch der eine oder andere Termin dazukommen.

MK: Wie lautet Ihr Wappenspruch?

STOLBERG: Der stammt aus dem zweiten Timotheus-Brief, Kapitel 1, Vers 7: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Das ist ein bisschen lang für einen Wappenspruch, deswegen ist es verkürzt auf „Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“, auf Lateinisch „Spiritus Virtutis, Delictionis et Sobrietatis.“

MK: Das ist sozusagen Ihr Leitmotiv.

STOLBERG: Ja, denn ich denke, es ist eine Herausforderung in unserer Zeit, dass wir nicht immer nur jammernd und verzagt darauf schauen, was scheinbar nicht mehr oder schlechter ist als früher, sondern dass wir aus der Kraft des Evangeliums heraus leben, aus der Liebe, die Gott uns schenkt, und dass wir uns mit großer Besonnenheit bemühen, die Botschaft, die uns aufgetragen ist, in die Welt zu tragen, so wie Christus es getan hat.

"Christus weiß es besser"

MK: Wo sehen Sie als Bischof in der Landeshauptstadt Ihre Hauptaufgaben?

STOLBERG: Die Aufgaben sind sicher vielfältig, und vor allem möchte ich sie im Dialog mit allen Beteiligten bewältigen. Ich sehe mich nicht als einen, der alles besser weiß, sondern mein Anliegen ist es, gemeinsam mit allen, die Verantwortung tragen, und mit den Gläubigen zusammen hinzuhören im Gebet, wohin uns Christus führen will. Er weiß es besser, nicht wir. Dazu will ich die Menschen ermutigen und ihnen Gelassenheit und Zuversicht geben. Wenn man auf die Urkirche schaut: Das waren winzige Grüppchen in antiken Großstädten, die es geschafft haben, Sauerteig für eine ganze Großstadt zu sein. Dass uns das heute auch wieder mehr und mehr gelingt, das wünsche ich mir. Wenn ich dazu in meiner Aufgabe als Weihbischof einen kleinen Beitrag leisten kann, dann wäre ich froh und dankbar. (Interview: Florian Ertl)

Der Weihegottesdienst findet am Samstag, 10. Dezember, um 9.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom statt. Wir übertragen die Messe im Video-Live-Stream auf mk-online.de. Das Münchner Kirchenradio überträgt auf DAB+ oder online. Anschließend ist für geladene Gäste ein Empfang in der Katholischen Akademie.


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