Filmfest München Zwei Gewinner bei Fritz-Gerlich-Filmpreis

29.06.2017

Der Fritz-Gerlich-Filmpreis ist dieses Jahr auf dem Münchner Filmfest erstmals an zwei Beiträge vergeben worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ging an den Dokumentarfilm "City of Ghosts" und den Spielfilm "Layla M.". Beide Filme setzen sich mit dem Islamismus auseinander.

"Layla M." zeigt die Radikalisierung einer 18-jährigen Muslima in den Niederlanden.
"Layla M." zeigt die Radikalisierung einer 18-jährigen Muslima in den Niederlanden. © Filmfest München 2017

München – Der Fritz-Gerlich-Filmpreis hat erstmals zwei Sieger. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am Mittwochabend im Rahmen des Münchner Filmfests zu gleichen Teilen für das Drama "Layla M." und den investigativen Dokumentarfilm "City of Ghosts" vergeben. Der von der katholischen Filmproduktionsfirma Tellux gestiftete Preis wurde vom Münchner Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg in Vertretung von Kardinal Reinhard Marx überreicht. Stolberg betonte, die ausgezeichneten Filme müssten nicht zwangsläufig nur katholische Themen transportieren. Aber sie sollten sich durch außergewöhnliches Film-Handwerk auszeichnen und inhaltlich an die Ideale des von den Nazis ermordeten Publizisten Fritz Gerlich, dem der Preis gewidmet ist, anknüpfen.

Weibliche Perspektive

Die Laudatio auf beide Filme hielt die Schauspielerin Brigitte Hobmeier. "City of Ghosts" ist für die Jury "ein essentieller Film über das tragische und schreckliche Schicksal des Landes Syrien und seiner Menschen" sowie "eine detaillierte Analyse heutiger medialer Taktiken und Informationsstrategien auf beiden Seiten des Krieges". An dem Spielfilm "Layla M." lobte die Jury die "mitreißende Inszenierung und virtuose Darstellung". Der Film über den Fall einer intelligenten jungen Frau in die Radikalität sei "ein nahezu unmögliches Unterfangen, das auf beeindruckende Weise gelingt". Preiswürdig sei zudem, dass eine derartige Geschichte konsequent aus weiblicher Perspektive erzählt werde.

Szenenbild aus dem Dokumentarfilm "City of Ghosts"
Szenenbild aus dem Dokumentarfilm "City of Ghosts" © Filmfest München 2017

Layla M.

Zum Inhalt: Die 18-jährige Holländerin Layla, eine tiefgläubige Muslima, fühlt sich nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in ihrer eigenen Familie isoliert. Sie heiratet Abdel, mit dem sie durch das Land zieht und Zweifler und Unentschlossene zu missionieren sucht. Layla wird immer radikaler, muss schließlich gemeinsam mit Abdel fliehen und findet sich im Nahen Osten wieder. Dort scheint sie endlich am Ziel zu sein, ihre Ideen fallen auf fruchtbaren Boden – doch dann wird sie vor eine Entscheidung gestellt, die sie unmöglich treffen kann.

City of Ghosts

In "City of Ghosts" geht es um eine Gruppe anonymer Journalisten – sie nennen sich “Raqqa Is Being Slaughtered Silently” – die mit großer Risikobereitschaft die Gewalttaten des Islamischen Staates in der nordsyrischen Stadt Raqqa, seit 2014 in den Händen von ISIS, per Video, Fotos und geschriebenen Reportagen dokumentieren. Regisseur Matthew Heineman zeigt in seinem Dokumentarfilm das Undercover-Leben der Aktivisten aus nächster Nähe: ein Leben in ständiger Gefahr, voll atemloser Momente. (ksc/pm/KNA)

Die Auszeichnung ist nach dem von den Nazis ermordeten katholischen Publizisten Fritz Gerlich benannt. Dieser hatte Anfang der 1930er-Jahre mit seiner Wochenzeitung "Der gerade Weg" gegen die Machtübernahme von Adolf Hitler gekämpft. Am 30. Juni 1934 wurde er im Konzentrationslager Dachau erschossen. Der nach ihm benannte Preis wird seit 2012 um seinen Todestag herum auf dem Münchner Filmfest vergeben. Geehrt werden Künstler, die sich für mehr Menschlichkeit und gegen Diktatur, Intoleranz und Verfolgung einsetzen. (KNA)

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