Containern fürs Klima Zwei Studentinnen werden zu Diebinnen

15.01.2020

Viele noch genießbare Lebensmittel landen in Deutschland im Müll. Doch wer sie da wieder rausholt um sie noch zu nutzen, macht sich strafbar. Caro und Franzi aus Olching wollen dagegen vorgehen.

Zwei junge Frauen geben Dokumente in ein Postfach vor dem Verfassungsgerichtsgebäude.
Caro und Franzi aus Olching haben Verfassungsbeschwerde eingelegt. © privat

Olching – Ein Drittel aller Lebensmittel landet in Deutschland im Müll. Wenn man dagegen etwas tun würde, wäre es eine der wirksamsten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Um darauf aufmerksam zu machen, krabbeln junge Menschen in Müllcontainer von Supermärkten und holen Lebensmittel, die noch brauchbar sind, wieder dort heraus.

Zwei von ihnen sind Caro (27) und Franzi (25) aus Olching. Die beiden Studentinnen wohnen zusammen und sind schon häufiger „Containern“ gegangen. „Es ist unglaublich, was man alles darin findet. Etwa zwei Drittel von dem, was da liegt, ist noch gut essbar. Vieles könnte man sogar noch einlagern. Das ist doch zu Schade, das einfach wegzuwerfen“, regt sich Caro auf und erklärt: „Wenn man alle Lebensmittel, die heute produziert werden, zusammennimmt, könnte man alle Menschen auf der Erde zweimal damit ernähren“. Und Franzi ergänzt: „Um eine Paprika zu produzieren, braucht man Wasser und Land, dann muss sie noch transportiert werden. Meistens ist sie auch noch in Plastik verpackt. Und dann landet sie einfach im Müll. Es ist ein Wahnsinn, wie viele Ressourcen dadurch verschwendet werden.“

Lebensmittel werden so noch wertgeschätzt

Nach Weihnachten gibt’s jede Menge Schokoladenweihnachtsmänner. Brot, Obst und Gemüse gibt’s täglich. Und auch Fleisch und tierische Produkte wie Joghurt oder Käse. Für Caro, die Tiermedizin studiert, ist das unbegreiflich: „Ich weiß, wie es aussieht, wenn Tiere konventionell gehalten werden. Und dann wird ihr Fleisch nicht mal gegessen“. Containern, erklärt sie weiter, löse das Problem natürlich nicht. Aber es mache aufmerksam und die Lebensmittel würden so noch wertgeschätzt.

Brief von der Staatsanwaltschaft

Seit einem guten Jahr erfahren die beiden eher schüchternen Studentinnen allerdings mehr Aufmerksamkeit, als ihnen lieb ist: Sie sind nämlich beim Containern erwischt und wegen eines besonders schweren Falls des Diebstahls nach§ 243 StGB verurteilt worden. „Als wir den Brief von der Staatsanwaltschaft bekommen haben, haben wir uns schon stark verunsichert gefühlt. Plötzlich als Diebinnen dazustehen, hat uns so einige schlaflose Nächte gekostet“, erinnert sich Franzi.

Gegen das Urteil haben sie erst Berufung und schließlich Verfassungsbeschwerde erhoben. „Wir gehen davon aus, dass es nicht verfassungskonform war, unser Handeln nach dem Strafrecht zu ahnden. Das Strafrecht dient dazu, ein Verhalten zu ahnden, das die soziale Ordnung gefährdet. Wir sagen aber, dass die Verschwendung von Lebensmitteln und damit klimaschädliches Verhalten die soziale Ordnung viel mehr gefährden.“

Die Beiden erfahren viel Unterstützung: Es gibt eine Petition, in der gefordert wird, dass das Containern nicht mehr kriminalisiert wird. Mehr als 150.000 Unterschriften wurden schon gesammelt. „Das tut unheimlich gut“, sagt Caro, „aber am liebsten wäre es uns, wenn das Containern überflüssig werden würde – weil Lebensmittel nicht mehr in solch einem Überfluss produziert werden.“

7§§Ein langes Interview mit Caro und Franzi können Sie in unserem Podcast „Hauptsache Mensch“ hören.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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