Fastenzeit mit Kindern Zwischen Ahnungslosigkeit und Begeisterung

07.03.2017

„Kinder dürfen nicht fasten", das sagen Mediziner eindeutig. Gemeint ist dabei aber nicht, dass Kinder nicht auf etwas verzichten dürfen. Zum Beispiel, ganz klassisch, auf Süßigkeiten. Aber funktioniert das auch?

Sollen Kinder auch fasten? © Karsten Schmid

München – „Jetzt kommt schnell mit in die Apotheke, da bekommt man doch immer einen Traubenzucker“, versuche ich meine Kinder zu überreden mitzugehen. Als wir danach, ich froh, dass ich meine Halstabletten holen konnte, meine Kinder stolz den Traubenzucker auspackend vor der Apotheke stehen denke ich: „Mist, wieder vergessen, dass wir eigentlich gesagt haben, sie sollten in der Fastenzeit auf Süßes verzichten.“

Zwischen Ahnungslosigkeit und Begeisterung

Kurz vor Beginn der Fastenzeit hatten wir darüber gesprochen, auf Süßigkeiten zu verzichten. Meine Fünfjährige hat noch keine rechte Vorstellung davon, wie lange 40 Tage sind, mein Achtjähriger war begeistert. Jedoch findet er auch schnell einige Hintertürchen: „An Geburtstagen machen wir aber ´ne Ausnahme.“ „Ja, machen wir“, sage ich. Eigentlich ideal – Mama, Papa und Opa haben in der Fastenzeit Geburtstag, zwei seiner besten Freunde auch. „Und, wenn wir in der Schule, wenn wir alle fleißig waren, was aus der Süßigkeitenkiste bekommen, dann darf ich das doch auch essen, oder?“ fragt er weiter. Ich denke nach: „Mhm, ja vermutlich wäre das schon gemein und ausgrenzend, wenn die ganze Klasse ein Stück Schokolade genießt und er sitzt daneben.“ Also stimme ich zu, in der Hoffnung, es gibt nicht jeden Tag so eine Belohnung.

Keine starren Regeln

Manchmal ist es auch für uns schwierig, die Grenzen zu ziehen. Ist Marmelade erlaubt, obwohl Nutella verboten ist? Geht mal eine Mehlspeise wie Kaiserschmarrn? Ohne Kinder war ich da rigoros mit mir selbst, jetzt bin ich gegen zu starre Regeln. Wir essen normalerweise alle sehr viel Süßes – weniger tut da auf jeden Fall gut. Und natürlich stellt sich die Frage, sollten Kinder überhaupt in der Fastenzeit auf etwas verzichten? Ich sage: ja, aber nur, wenn es von den Kinder und von innen heraus kommt. Die Fastenzeit ist eine Vorbereitung auf das Osterfest, das versteht auch ein Achtjähriger schon. Und er war es schließlich, der begeistert verkündete, in der Fastenzeit ganz auf Süßes zu verzichten. Natürlich muss ich ihn ab und zu daran erinnern, wenn er nach dem Abendessen nach einer „kleinen Nachspeise“ verlangt. Manchmal funktioniert das erstaunlich gut. Vorgestern meinte er, als ich nein sagte: "Nein, es ist doch Fastenzeit", sehr entspannt: „Ach stimmt, ja.“ Ein anderes mal wird er motzig, wieder ein andermal vergessen wir alle beide, dass Fastenzeit ist.

Von allem zu viel

Wichtig ist mir aber, dass meine Kinder verstehen, dass Verzicht auch mal gut tun kann, dass wir im Alltag von fast allem zu viel haben und es nicht mehr schätzen. Und natürlich, warum eigentlich Fastenzeit ist. Ich selbst hatte das als Kind nicht. Bei uns wurde nicht gefastet. Ich war ziemlich erstaunt, als ich in der Fastenzeit einmal bei meiner Cousine übernachtete, eine Tüte Gummibärli dabei hatte und die meinte: „Ne, darf ich nicht, ist doch Fastenzeit.“ Ich war damals sicher auch schon mindestens acht und hatte weder zuhause, noch in der Schule von Fastenzeit gehört und war damals ziemlich überfordert.

Meinen Kinder soll es nicht so gehen, sie sollen wissen, was die Fastenzeit ist und es auch selbst ausprobieren – nicht mit Zwang, sondern aus Überzeugung. Schließlich kann Fasten auch Spaß machen – was gibt es schöneres als ein Ziel zu haben und das auch zu erreichen. Aber Ausnahmen sind erlaubt – auch in der Fastenzeit. (Stefanie Schmid)

Dieser Artikel gehört zum Thema Fastenzeit

Das könnte Sie auch interessieren

Künstler Raoul Rossmy
© Christina Petersen

Kreativer Pastoralassistent Fastenpredigten mit Bildern

Im Pfarrverband St. Katharina von Siena – Zu den Heiligen 14 Nothelfern wird in der Fastenzeit zu Bildern gepredigt. Die Acrylgemälde hat Pastoralassistent Raoul Rossmy selbst gemalt.

17.03.2017

© Fotolia

Fastenzeit Zur Besinnung kommen

Fasten um des Fastens willen ist nicht Sinn der Sache. Und einen Wettbewerb daraus zu machen, hat mit der ursprünglichen Idee auch nichts zu tun. Aber worum geht es in diesen 40 Tagen vor Ostern?

10.03.2017

© Fotolia/Calovini

Zur Fastenzeit Änderung ist möglich

"Immer wieder haben wir die Möglichkeit, uns und unser Leben zu ändern", findet Edith Heindl. Warum sich die Fastenzeit hiefür besonders gut eignet, erläutert die Pastoralreferentin hier.

01.03.2017

Die Fastenzeit dauert 40 Tage.
© fotolia/hati

Vorbereitung auf Ostern Fastenzeit ist wieder attraktiv geworden

Fastenzeit ist mehr als Verzicht. Es gibt viele kreative Vorschläge, die 40 Tage bis Ostern zu gestalten.

01.03.2017

Die Sendung "Kitaradio" verschickt wöchentlich einen Newsletter.
© fotolia/SMB

Kitaradio Ein Newsletter für Eltern und Erzieherinnen

Die Sendung „Kitaradio“ im Münchner Kirchenradio besucht jede Woche eine andere Kita oder gibt Erziehungstipps für Eltern. Jetzt gibt es auch den passenden Newsletter zur Sendung. Lesen Sie hier,...

31.01.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren