Segnung für Homosexuelle Zwischen Lehramt und Seelsorge

05.02.2018

Mann liebt Mann, Frau liebt Frau. Die katholische Kirche tut sich damit schwer. Kardinal Reinhard Marx unterstützt in Einzelfällen die Segnung homosexueller Paare. Der Kommentar im Münchner Kirchenradio.

Segen für wahre Liebe - auch unter Homosexuellen, in Einzelfällen möglich. © imago/Winfried Rothermel

Die Meldung hat für etwas Aufsehen, aber nicht für große Aufregung gesorgt. Und das ist gut so. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht in Einzelfällen Spielraum bei der Segnung homosexueller Paare. Das bedeute aber kein generelles kirchenamtliches Ja zu solchen Segnungen, betont der Erzbischof von München und Freising. Und wird so der Spannung gerecht, die zwischen Theologie und Seelsorge besteht.

Wie im Katechismus

Die ist sogar im Katechismus der katholischen Kirche beschrieben. Homosexuelle Handlungen seien in sich nicht in Ordnung, „weil sie gegen das natürliche Gesetz verstoßen“, heißt es dort.

Damit ist gemeint, dass Homosexualität die Zeugung neuen Lebens ausschließt. Sie sei deshalb in keinem Fall zu billigen und gleichgeschlechtlich veranlagte Menschen zur Keuschheit berufen.

Dazwischen ist aber der Absatz 2358 eingeschoben und da heißt es über Homosexuelle: „Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen.“

Bedeutung des Segens

Kardinal Marx richtet seinen Blick auf die Priester und Seelsorger, die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgesucht werden und sich eine Stärkung, einen Segen wünschen.

Segen, das bedeutet, um göttliche Kraft und Gnade zu bitten. Das kann auch heißen, nicht die flotte Triebabfuhr zu suchen, den anderen nicht als Lustobjekt zu behandeln, sondern als die Person, die er ist, zu lieben und auch in einer homosexuellen Beziehung treu zu sein. Das ist bei gleichgeschlechtlichen Paaren genauso möglich und schwer, wie bei Mann und Frau.

Ein Priester, der vor dreißig Jahren Aidskranke beim Sterben begleitete, hat mir damals gesagt: Eine solche Zuwendung, wie ich sie da bei vielen homosexuellen Partnern erlebe, die würde ich manchem gutkatholischen Hetero-Paar wünschen. Hätte er diesen Homosexuellen den Segen verweigern können, die Bitte um göttliche Kraft und Gnade nicht unterstützen sollen? Wahrscheinlich hätte er sie dann tatsächlich „in irgendeiner Weise ungerecht zurück gesetzt“.

Nicht ängstlich zurück zucken

Kardinal Marx hat Seelsorger jetzt ausdrücklich ermutigt, hier nicht ängstlich zurück zu zucken. Sie sollen den Menschen in konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wörtlich.

Das ist ein Gebot pastoraler Klugheit. Denn eine barmherzige Kirche, kann schwer verlangen, dass Menschen ihre Natur verleugnen, selbst wenn der Katechismus darin eine Abirrung erkennt.

Es würde bedeuten, bestimmte Menschen völlig abzuschreiben, wenn sie sich zu ihrer Sexualität bekennen, von der sie fühlen, dass sie ein Teil ihrer Persönlichkeit ist. Ein Teil, von dem sie sich nicht einfach trennen können.

Und es würde andererseits bedeuten, sie nur auf ihre Sexualität zu reduzieren, nicht ihren Wert als Kind Gottes zu sehen und das wäre ein verheerendes Menschenbild der Kirche.

Kardinal Marx lehnt das aus seelsorgerlichen Gründen ab, ohne die kirchliche Lehrmeinung komplett über den Haufen zu werfen. Und das ist gut so.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht in Einzelfällen Spielraum bei der Segnung homosexueller Paare. Neue Lebensumstände und neue Erkenntnisse stellten die Kirche vor Herausforderungen, sagte der Erzbischof von München und Freising im "Interview der Woche" des Bayerischen Rundfunks (BR 5). Priester müssten die Situation der einzelnen Menschen ernst nehmen und sie seelsorgerisch begleiten. "Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben."

Ein generelles "Ja" zur Segnung homosexueller Paare sieht Marx allerdings nicht. "Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln", sagte er. Nur weil es keine Regelung gebe, heiße das nicht, dass in den Fällen seelsorgerlich nichts geschehe, sagte der Kardinal. Das müsse man dem jeweiligen Seelsorger überlassen.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hatte zuletzt eine Diskussion innerhalb der katholischen Kirche darüber gefordert, ob Pfarrer künftig gleichgeschlechtliche Paare segnen sollten. (KNA)

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Zwischen Lehramt und Seelsorge

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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