Mit der Kirchenzeitung on Tour Zwischen Rokoko und Romanik

31.05.2017

Strahlender Sonnenschein, strahlende Gesichter. Die Leserfahrt der Münchner Kirchenzeitung nach Altenstadt und zur Wieskirche darf wohl zu einer der schönsten gerechnet werden. Und nicht nur dank des weiß-blauen Traumwetters.

Idyllisch liegt die Wieskirche bei Steingaden. © Kiderle

Ich kann ihn nicht sehen, den Bus, der uns von der Herzog-Wilhelm-Straße nach Altenstadt und zur Wieskirche bringen soll. Meine Kolleginnen Susanne Holzapfel, Friederike Glas und Jasmin Leuthner stehen an der Straße und lotsen die 52 Leserinnen und Leser der Münchner Kirchenzeitung sowie mich rüber zur Sonnenstraße, wo uns das Gefährt bereits erwartet. So etwas bringt hier niemanden aus der Ruhe – alle strahlen mit der Morgensonne um die Wette.

Nach knapp eineinhalb Stunden haben wir unser erstes Ziel erreicht: die Basilika St. Michael in Altenstadt bei Schongau im Pfaffenwinkel. Etwas groß für den kleinen Ort wirkt diese Kirche, und doch so schön. Der Tuffsteinbau ist spätromanisch, wurde zwischen 1180 und 1220 an der Via Claudia Augusta gebaut. Die Römerstraße führt seit über 2000 Jahren von Trient entlang der Etsch nach Bozen, weiter nach Meran, dann am Reschenpass vorbei durch das Tal von Inn und Lech, wo sie kurz hinter Augsburg in der Nähe von Donauwörth endet. Ein Ort mit langer, abwechslungsreicher Geschichte also. Kein Wunder, dass Siegfried Beyrer, Pfarrer in Rente, ins Schwärmen gerät, als er uns durch die Basilika führt.

Die Basilika St. Michael in Altenstadt bei Schongau im Pfaffenwinkel. © Kiderle

Der spätromanische Bau sei nahezu vollständig in seiner hochmittelalterlichen Gestalt erhalten oder wiederhergestellt, erzählt uns der Geistliche. Herzstück und Blickfang in der sonst recht kargen dreischiffigen Basilika ist „Der Große Gott von Altenstadt“. Das bekannte 3,20 Meter große Kunstwerk zeigt den Gekreuzigten auf einem modernen Balken über dem Choreingang, flankiert wird er von Maria und Johannes. Eine außergewöhnliche Darstellung. „Seine Beine sind nebeneinander, die Hände hat er ausgestreckt wie eine Einladung, die Augen sind offen, er schaut uns also direkt an“, erklärt Beyrer, „es ist der auferstandene Christus, der lebende Auferstandene.“

Nach einer Stunde in St. Michael geht es weiter. „Das war jetzt aber interessant“, freut sich Josy Röthlein, die bei jeder MK-Leserfahrt dabei ist. Weiter geht’s durch kleine, malerische Bauerndörfer, dann einen Berg hinauf, bis sie inmitten saftiger Wiesen mit Dotterblumen, umrahmt von weiß-blauem Himmel zu sehen ist: die Wieskirche, das Juwel bei Steingaden im Pfaffenwinkel, seit 1983 Weltkulturerbe. Ja, das ist „bayerisches Bayern“, wie ich es so gerne nenne, also Bayern wie im Bilderbuch. Diese Rokoko-Schönheit, erbaut von 1745 bis 1754, nimmt mich und viele andere MK-Leserinnen und Leser gefangen, wir versinken in den unzähligen Details im Innenraum der Kirche. Erdacht und umgesetzt von Johann Baptist und Dominikus Zimmermann. Wir können uns kaum sattsehen an den Ölbildern über den vier Beichtstühlen, an dem Altarbild, auf dem Jesus auf dem Schoß seiner Mutter Maria mit – und das ist sehr ungewöhnlich - ausgebreiteten Armen, wie bei der Kreuzigung, sitzt sowie dem wunderschönen, gigantischen Deckenfresko, das unter anderem das Tor zur Ewigkeit, das Tor in den Himmel zeigt. Auf diesem Deckengemälde, das zugleich Zentrum der Wieskirche ist und in dem Jesus im Mittelpunkt steht, werde verdeutlicht, dass das Herz Jesu, seine Barmherzigkeit, der Schlüssel zur Ewigkeit sei.

Gruppenbild mit den Teilnehmern der MK-Leserfahrt und Chefredakteurin Susanne Hornberger (2.v.l.) vor der Wieskirche. © Kiderle

„Es ist eine reine Christuskirche, eine Barmherzigkeitskirche“, erzählt uns Stefan Tome, Pfarrsekretär im Pfarramt der Wieskirche, „hier ist nichts Drohendes, sondern nur die Barmherzigkeit Gottes dargestellt.“ Das Bezeichnende dieses Rokoko-Baus ist ihre heitere und lebendige Atmosphäre. Architektur und Innenausstattung sind ganz von der Idee der Wallfahrt bestimmt - sie handelt von Leid, Buße und der Freude der Erlösung, des Verzeihens. „Jeder hat eine Chance, sein Leben zum Guten zu wandeln - bis zum Schluss“, meint Tome. Draußen, vor der Kirche, schwärmt Elfi Beushausen von der Schönheit der Malereien, und Peter Weinkarte von dem etwas anderen Vortrag von Tome, „weil er seine eigenen Gedanken mit eingebracht hat“. Überwältigt von der Ästhetik ist Ludmilla Schmiel, „ich war noch nie hier, die Kirche berührt mich sehr“. Elisabeth Salisko hingegen findet die Basilika in Altenstadt interessant. „Die Kirche hat mir besonders gefallen, weil sie karg und reduziert ist.“ Und Josy Röthlein findet beide Gotteshäuser schön, denn „jedes hat seine eigene Geschichte“. Bei einem sind sich die meisten jedoch einig: Bei der nächsten Leserfahrt sind sie wieder mit von der Partie. Diese ist für September, Anfang Oktober geplant und führt ans „bayerische Meer“, den Chiemsee.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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