Segnung für homosexuelle Paare Zwischen Seelsorge und klarer Kante

26.05.2015

„Ich kenne homosexuelle Paare, von deren Treue, Liebe und Fürsorge sich etliche katholische Eheleute eine Scheibe abschneiden könnten“, hat mir einmal ein Pfarrer gesagt. Wenn solche gleichgeschlechtlichen Paare auch noch gläubig sind, ist es mehr als verständlich, dass sie sich einen kirchlichen Segen für ihre Partnerschaft wünschen.

Alois Bierl ist Leiter der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes (Bild: Sankt Michaelsbund/Schmid)

Bischöfe, die das ablehnen, müssen sich dann mit naheliegenden Vorwürfen herumschlagen: In einer Gesellschaft, in der Homosexualität nicht mehr als Makel und schon gar nicht als Sünde gilt, wird ihre Haltung schnell als unbarmherzig, nicht zeitgemäß und wirklichkeitsfremd abgetan. Die Kirchensteuer würden die Bistümer auch gern von Homosexuellen annehmen, die einen Teil ihrer Persönlichkeit als Katholiken aber nicht leben sollen, schon gar nicht als Paar, lautet das Argument einer modernen Gesellschaft.

Aber die deutschen Bischöfe sind Teil der Weltkirche. Und zu der gehören auch Gesellschaften, die Homosexualität völlig anders bewerten, denen oft schon der Katechismus zu weit geht, der einen respektvollen Umgang mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen fordert. Sie gehen davon aus, dass Sexualität auf die Weitergabe des Lebens ausgerichtet ist, dass darin eine heilige Würde liegt, ein Teil der von Gott gegebenen Schöpfungsordnung. Diese naturrechtliche Sicht deckt sich mit der kirchlichen Lehrmeinung. Und sie tritt um so schärfer hervor, wenn Sexualität in erster Linie als persönliches Glück, als Privatangelegenheit zwischen zwei Menschen und, gut kommerziell angewandt, als Wohlfühlfaktor verstanden wird.

Tieferer Konflikt

Die Debatte um die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare bildet deshalb einen viel tieferen Konflikt ab: Es geht um die Frage, ob Sexualität abgekoppelt von gesellschaftlichen Ansprüchen zu denken und zu leben ist. Wenn die Bischöfe also die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ablehnen, dann schwingt dieser Grundkonflikt zwischen privat gelebter Sexualität und Verantwortung für die Gemeinschaft immer mit. Trotzdem muss vermieden werden, dass homosexuelle Paare, „von deren Treue, Liebe und Fürsorge sich etliche katholische Eheleute eine Scheibe abschneiden könnten“, sich von ihrer Kirche ausgegrenzt und verletzt fühlen. Das erfordert seelsorgerliches Einfühlungsvermögen gegenüber jedem Einzelnen, eine klare Kante ist da nicht hilfreich.

Mit dieser Spannung werden die Weltchristen, die einen „realistischen“ Umgang mit homosexuellen Gläubigen und die Bischöfe, die die Einheit der Kirche zu wahren haben, weiter leben müssen. Die Haltung der Oberhirten aber nur als weltfremd und unbarmherzig abzutun, ist zu einfach. Die Forderung homosexuelle Paare segnen zu lassen, können sie nicht einfach abnicken. (Alois Bierl)


Das könnte Sie auch interessieren

Offene Bibel auf Holztisch
© Halfpoint - stock.adobe.com

Der Exodus als Coming Out

Die katholische Kirche tut sich oft schwer mit dem Thema Homosexualität. Dabei kann man die Bibel auch queer lesen.

14.04.2020

Kardinal Reinhard Marx kritisiert die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare.
© imago

Entscheidung im Bundestag Kardinal Marx kritisiert Debatte zu "Ehe für alle"

Sollen homosexuelle Paare die Ehe schließen können? Darüber wird am Freitag im Bundestag entschieden. Die Deutsche Bischofskonferenz hat dazu eine klare Haltung.

28.06.2017

Die SPD will die Ehe für homosexuelle Paare öffnen.
© imago

ZdK und Bischöfe äußern Bedenken Kritik an "Ehe für alle"

Die SPD möchte das Thema "Ehe für alle" noch in dieser Woche in den Bundestag einbringen. Kanzlerin Angela Merkel will angeblich den Fraktionszwang in der Union bei einer Abstimmung darüber aufheben....

27.06.2017

Segnung homosexueller Paare „Wir sind Christen“

Innerhalb der Kirche wird derzeit heftig diskutiert. Denn: Die katholischen Laien sprechen sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aus, Bischof Stefan Oster und andere deutsche...

27.05.2015

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren