Kolpingstunde Zwischen Tradition und Öffnung - wohin steuert Kolping?

24.02.2019

Seit 2016 läuft bei Kolping ein Upgrade, das den Verband zukunftsfähig machen soll. Welche Handlungsfelder dabei diskutiert werden, erfahren Sie in dieser Sendung.

Auf den ersten Blick muss sich Kolping im Erzbistum München und Freising keine Sorgen machen. Im Diözesanverband gibt es 97 Kolpingsfamilien und gut 10.000 Mitglieder. Die Zahl der Kolperer ist in den letzten Jahren sogar leicht angestiegen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob es in Oberbayern überhaupt einen Zukunftsprozess braucht, wie ihn der Bundesverband vor gut zwei Jahren angestoßen hat. „Kolping Upgrade“ heißt die Initiative, bei der die Mitglieder der Kolpingsfamilien in ganz Deutschland darüber diskutieren sollen, wie die Rolle und der gesellschaftliche Beitrag von Kolping in einer sich wandelnden Gesellschaft zukünftig ausschauen können. Diese Initiative sei auch für Kolping im Erzbistum wichtig, betont Diözesanpräses Christoph Huber. Denn auch hier habe sich das gesellschaftliche Leben verändert: es gebe weniger Katholiken und die Weltanschauungen seien bunter geworden. Und auch in Oberbayern schaffe es nicht jede Kolpingsfamilie automatisch, die Überalterung durch neue Mitglieder aufzufangen. „Dafür die Gründe zu erforschen, und dann zu sagen, was können wir tun, das ist genau das Ziel dieses Zukunftsprozesses“.

Beim Regionalforum in Ismaning im April 2018 hatten die Mitglieder die Gelegenheit, die Zukunftsthesen des Bundesverbandes zu diskutieren. Dabei wurde ein Ranking erstellt, mit welchen Thesen man sich auseinandersetzen möchte. Ganz oben auf der Agenda landete die These, ob Kolping sich noch stärker als bisher für Mitglieder öffnen soll, die keine Christen sind. „Das bewegt am meisten“, erklärt Diözesanreferent Massimo Zanoner. Das gehe bis zur Frage, ob Nicht-Christen auch Führungsverantwortung bei Kolping übernehmen können. Christoph Huber sieht diese Diskussion eher gelassen. Bei Kolping hätten sich immer schon „randständige Christen“ eingefunden, die Vielfalt sei hier immer schon größer gewesen als in anderen katholischen Einrichtungen. Gerade in der Sozialarbeit mit Jugendlichen habe Adolph Kolping die Richtschnur vorgegeben, dass die generelle Annahme der jungen Menschen wichtiger ist als nach deren religiösen Hintergrund zu fragen. Dies sei der Nährboden für die Beantwortung der Frage, wie man mit Menschen umgeht, die aus der Kirche ausgetreten sind, die vielleicht Moslems sind oder die sagen, dass sie mit dem Glauben nichts anfangen können und trotzdem unsere Inhalte attraktiv finden. Der Diözesanpräses sieht in der Öffnung der Mitgliedschaft generell die große Chance, stärker missionarische Kirche zu sein. Kolping könne dabei anderen den Glauben vermitteln, ohne erst einmal nachzufragen, ob der Adressat getauft ist oder einen Kirchensteuerbescheid unterschrieben hat. Für Huber ist das Glaubensvermittlung unter ganz anderen Bedingungen, „etwas, wo Kirche auch noch hinkommt, was sie noch lernen muss“. Ob diese Meinung mehrheitsfähig ist, wird sich beim bundesweiten Zukunftsforum Ende März in Fulda zeigen, an dem auch die Kolperer aus dem Erzbistum mit ihren Diskussionsergebnissen aus dem Regionalforum teilnehmen werden. Beschlüsse über eine Mitgliederöffnung und ein neues Leitbild für Kolping wird es dann voraussichtlich auf der Bundesversammlung 2022 geben.

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Kolping Zukunftsprozess

Kolpingstunde

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

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