Erzbistum legt Jahresabschluss 2016 vor Zwischenerfolg bei den Finanzen

27.06.2017

Nahezu alles beim Alten: 3,3 Milliarden stehen in der Bilanz des Erzbistums zu Buche, minimal weniger als 2015. Ein Jahr nach der Umstellung der Rechnungslegung sind die Finanzplaner zufrieden. Allerdings steht die Erzdiözese auch vor neuen Herausforderungen.

Generalvikar Peter Beer, Finanzdirektor Markus Reif und der Geschäftsführer der drei Erzbischöflichen Stiftungen, Stefan Fritz (von rechts). © Schlaug

München – Business as usual? – noch nicht so ganz. Aber „das Echo war positiv“, konstatiert Peter Beer, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, bei der Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2016. Im vergangenen Jahr war das Erzbistum München und Freising vom Prinzip der Kameralistik auf das in der Privatwirtschaft seit Langem etablierte Prinzip der doppelten Buchführung (Doppik) umgestiegen. Ein großer Schritt, mit dem nicht nur ein Wechsel des Systems, sondern auch ein Mentalitätswechsel einherging. Erklärtes Ziel war größtmögliche Transparenz: Es wurde offengelegt, wofür Mittel verwendet und die Grundaufträge der Kirche erfüllt werden – dieses Ziel habe man erreicht, bestätigt Beer. Die Zuständigkeiten der ins Leben gerufenen Gremien seien klar, die personelle Besetzung vorgenommen. Jetzt befinde sich das Erzbistum gewissermaßen in einem Stadium, in dem es um eine Fortentwicklung der strategischen Jahresplanung geht. Wie wird die Verwendung der Mittel in den diözesanen Ratsgremien besprochen? Wie kann beispielsweise Ämterhäufung vermieden werden? Und wie können Synergien durch vernetztes Denken und Handeln stärker genutzt werden? – Fragen, mit denen sich das Erzbistum nach wie vor konfrontiert sieht. Des Weiteren steht die Entwicklung entsprechender Maßnahmen zur Qualitätssicherung sowie von Compliance-Richtlinien auf der Agenda der Finanzplaner.

Insgesamt hat sich die Bilanzsumme des Erzbistums zum 31. Dezember 2016 mit 3,262 Milliarden um rund 26 Millionen im Vergleich zum Vorjahr verringert. Im Großen und Ganzen ist also alles beim Alten geblieben. Die aus der Gewinn- und Verlustrechnung zu entnehmenden Erträge der Erzdiözese sind allerdings auf 833,1 Millionen gestiegen, wobei 589,8 Millionen auf erhaltene Kirchensteuern entfallen. Ein Plus von 3,5 Prozent zu 2015. Auf der anderen Seite sind aber auch die Aufwendungen gestiegen: Die Personalaufwendungen wurden mit 293 Millionen verbucht, die soziale Arbeit, die zum Beispiel Kranke und Pflegebedürftige, Flüchtlinge und Familien unterstützt, Bildungsangebote katholischer Verbände und Vereine, die Sanierung von Kirchen und Pfarrhäusern sowie die Haushalte und Personalkosten in der Erzdiözese wurden mit etwa 377,7 Millionen Euro gefördert.

Spielräume für neue Investitionen

Mithilfe einer sehr konservativ angesetzten Haushaltsplanung war es der Erzdiözese schon für das Jahr 2016 gelungen, „Spielräume für neue Investitionen zu schaffen“, erläutert Finanzdirektor Markus Reif. 111 Millionen Euro wurden in aufwendige Baumaßnahmen investiert. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Bauetat laut Haushaltsplan 2017 noch einmal aufgestockt wird. Neben den regulären Zuschüssen in Höhe von 58,6 Millionen Euro werden weitere 75 Millionen Euro aus Rücklagen bereitstellt. Zusammen mit den Mitteln aus dem Nachtragshaushalt in Höhe von 15 Millionen stehen also im laufenden Jahr rund 150 Millionen für Baumaßnahmen der Kirchenstiftungen zur Verfügung.

Nachhaltigkeit ist und bleibt der Kernaspekt der erzbischöflichen Finanzplanung: „Wir müssen gemeinsam schauen, wie wir unsere Ressourcen zusammenhalten können“, sagt Generalvikar Beer. Im Zuge der letztjährigen Umstellung erfolgte eine Übertragung beträchtlicher Vermögensteile an die drei großen Stiftungen des Erzbistums: Die Bischof-Arbeo-Stiftung (Stiftungsvermögen: 715 Millionen), die St. Antonius-Stiftung (Stiftungsvermögen: 686 Millionen) sowie die 2015 gegründete St. Korbinian-Stiftung (Stiftungsvermögen: 688 Millionen). Alle drei zusammen verfügen 2016 über ein zweckgebundenes Vermögen von zusammen fast 2,1 Milliarden Euro. Die Aufgaben der drei Stiftungen sind an den Grundaufträgen der Kirche orientiert: Verkündigung und Bildung sind Zweck der Bischof-Arbeo-Stiftung. Die St. Antonius-Stiftung ist für die Förderung des Dienstes am Nächsten, also die Caritas, verantwortlich, während die St. Korbinian-Stiftung die kirchliche Seelsorge und das gemeindliche Leben zur Aufgabe hat.

Stiftungen unterstützen operatives Geschäft

Waren 2015 noch 1,3 Milliarden in die drei Stiftungen geflossen, fallen die Zustiftungen in Höhe von knapp 135 Millionen an die St. Korbinians-Stiftung und die Bischof-Arbeo-Stiftung und die St. Antonius-Stiftung nicht mehr so stark ins Gewicht. Deren Erträge fließen wiederum dem Haushalt der Erzdiözese zu und werden dort im Sinne des jeweiligen Stiftungszwecks verwendet. Die Stiftungen sollen auch in den nächsten Jahren mit dem nötigen Kapital ausgestattet werden, um langfristig "die operativen Aufgaben der Erzdiözese unterstützen zu können“, wünschen sich Beer und der Geschäftsführer der drei Stiftungen, Stefan Fritz.

Wie schon im vergangenen Jahr wurden auch die Emeritenanstalt, welche die Pensionen der Priester sichert (Vermögen: 315 Millionen) und der Erzbischöfliche Stuhl als Träger des mit dem Amt des Erzbischofs verbundenen Vermögens bewertet. Erstmals legten auch zwei sehr traditionsträchtige Stiftungen den Jahresabschluss nach HGB ab: die Klerikalseminarstiftung (Stiftungsvermögen: 107,7 Millionen), die das Priesterseminar unterhält, sowie die Knabenseminarstiftung (Stiftungsvermögen: 16,1 Millionen ).

Neben den oben genannten drei großen Stiftungen existieren zudem noch eine Vielzahl von Kirchenstiftungen. Langfristiges Ziel müsse sein, dass jede einzelne Kirchenstiftung ihr Vermögen auch nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs offenlege, erklärt Beer. Dieser Prozess werde aber mehrere Jahre in Anspruch nehmen: „Die Frage ist nicht ob, sondern wie." Für das Domkapitel seien die entsprechenden Beschlüsse gefasst. Bereits im kommenden Jahr müsse die Rechnungslegung vollständig umgestellt sein, so der Geistliche.

Nur vermeintlich komfortable Situation

Trotz der aus Sicht des Erzbistums positiven Zahlen, befinde man sich in einer „nur vermeintlich komfortablen Situation“, sagt Beer. Es gebe eine Fülle von Verpflichtungen, denen die Erzdiözese nachkommen müsse. „In einer Zeit, in der sich der Anteil der Katholiken stark verschiebt“, seien in Zukunft gewisse Abwägungen nötig, bestätigt der Generalvikar. Welche Bau- oder Erhaltungsmaßnahmen haben Priorität? Welche Aufgaben können zentralisiert werden beziehungsweise wann ist eine Dezentralisierung sinnvoll? Versuch und Irrtum – das müsse die Devise für die nächsten Jahre sein, sagt Beer. „Wir müssen auf Diözesanebene den Blick über alle behalten“, so Beer. Auch andere Anspruchsgruppen müssten noch stärker in den Fokus genommen werden, so gebe es Überlegungen, wie beispielsweise der Diözesanrat oder auch der einzelne Steuerzahler stärker in die Mittelverwendung miteingebunden werden könne. Kirche „verlebendigen“ lautet die Prämisse für die Zukunft.

Die Autorin
Tamara Wenger
Münchner Kirchenzeitung / Online-Redaktion
t.wenger@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bauen im Erzbistum Die Kirche und das liebe Geld

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